Die Wiener Charta

Die „Wiener Charta“ ist eine Vereinbarung über die Regeln des Zusammenlebens und für einen guten, fairen und respektvollen Umgang miteinander. Sie wurde im Jahr 2012 in einem breiten Partizipationsprozess online und offline erarbeitet. 2015 bildet dieser Text die Grundlage dafür, das Thema „Respekt“ und das Zusammenleben in Vielfalt in Gesprächsgruppen zu diskutieren.

 

Wien ist Heimat und Zuhause: Für Frauen und Männer, Junge und Alte, hier Geborene und Zugewanderte, für Menschen mit unterschiedlichen Weltanschauungen, Lebensformen und Bedürfnissen.

Damit wir gut miteinander auskommen, braucht es Respekt. Respekt heißt, andere Menschen zu akzeptieren, wie sie sind – so wie man selbst auch akzeptiert und respektiert werden will. Unsere gemeinsame Grundlage sind die Menschenrechte.

Miteinander auskommen

Umgangsformen im Alltag, Rücksicht im Zusammenleben

Das Zusammenleben in einer Großstadt ist eine Herausforderung. Es gibt viele Interessen und Lebensstile – in der Nachbarschaft, auf der Straße, im Park, in den Öffis, im Kaffee- und Gasthaus, am Sportplatz…

Grüßen und behilflich sein, ein einfaches “Bitte” oder “Danke”, miteinander reden – das gehört zu einem freundlichen Umgang. Wenn uns etwas stört, sprechen wir es höflich und klar an. Sich in das Gegenüber hineinzuversetzen, kann viele Aggressionen abbauen.

Verhalten im Straßenverkehr und in den öffentlichen Verkehrsmitteln

Millionen Menschen sind in Wien unterwegs – in Eile oder gemütlich, zu Fuß oder mit einem Verkehrsmittel. Täglich treffen sie aufeinander. Damit das gut geht, braucht es Rücksichtnahme.

Im Straßenverkehr beachten wir die Regeln und versuchen gelassen zu bleiben. So können wir Konflikte vermeiden.

In öffentlichen Verkehrsmitteln stören wir andere nicht durch lautes Telefonieren oder Musikhören und nehmen ganz allgemein Rücksicht auf die anderen Fahrgäste.

Nicht immer dasselbe

Ich und die, die anders sind als ich

Die vielfältigen Lebensstile dieser Stadt sind eine Bereicherung. Sie können aber auch überfordern – das beste Mittel dagegen ist die richtige Portion Neugier und Offenheit. Welches Leben jede und jeder führen will, sollen alle in Wien selbst entscheiden können, wir tragen aber gemeinsam Verantwortung.

Wir stehen im Alltag den Lebensgewohnheiten und Erfahrungen anderer aufgeschlossen gegenüber. Dabei nehmen wir die eigenen Bedürfnisse ernst und sprechen sie an, und wir achten die der anderen. Weil jeder Mensch einzigartig ist, schließen wir von einer negativen Erfahrung nicht auf eine Menschengruppe. Wir sehen die Unterschiede, aber das Gemeinsame ist uns wichtiger.

Deutsch sprechen – andere Sprachen sprechen

Miteinander zu kommunizieren, zu reden, ist für das gegenseitige Verständnis wesentlich. In Wien werden viele Sprachen gesprochen, das ist Zeichen der Vielfalt.

Ein gemeinsames Leben braucht eine gemeinsame Sprache. Daher unterstützen wir Sprachneulinge verständnisvoll dabei, Deutsch zu lernen. Wer sich noch unsicher fühlt, arbeitet weiter daran, das eigene Deutsch zu verbessern. Die Erstsprache in Wien zu sprechen und lernen zu können ist uns wichtig. Verschiedene Sprachen und Kulturen gehören seit Jahrhunderten zur Identität Wiens.

Jung und Alt

Jeden Tag treffen Menschen verschiedener Generationen in Wien aufeinander. Freizeitinteressen sind unterschiedlich, oft gehen auch die Vorstellungen auseinander, wie ein gutes Leben in unserer Stadt aussieht.

Wir wünschen uns Wien als kinder- und jugendfreundliche Stadt – Kinderlärm ist kein Lärm. Es ist uns aber auch wichtig, dass sich ältere Menschen zu Hause fühlen. Wir hören anderen Generationen zu und interessieren uns für ihre Erfahrungen. Wir respektieren ältere Menschen und geben Kindern und Jugendlichen die Wertschätzung und den Freiraum, den sie brauchen.

Aufgeräumt wohlfühlen

Sauberkeit in der Stadt

Die Sauberkeit der Gehsteige, Höfe, Parks, Spielplätze, Wiesen und Wälder ist für alle wichtig. Wir gehen mit unserer Umwelt sorgfältig um.

Weil wir gerne in einer sauberen Stadt leben, lassen wir keinen Müll liegen, werfen Zigarettenstummel nicht auf die Straße und räumen Hundekot weg. Wir fühlen uns verantwortlich für unsere Stadt, in der wir leben.

Öffentlicher Raum – Lebensraum für uns alle

Im öffentlichen Raum muss es Möglichkeiten zum Zeitvertreib, zum Austausch und zum Gespräch geben. Er muss allen Menschen gleichberechtigt zur Verfügung stehen.

Wir engagieren uns aktiv für seine Gestaltung und Erhaltung. Wir wollen mehr Raum, wo Begegnungen möglich sind und nichts konsumiert werden muss. Wir akzeptieren unterschiedliche Bedürfnisse und suchen daher gemeinsame Lösungen und tragfähige Kompromisse.

Dieser Text steht im Downloadbereich sowohl in Deutsch als auch in anderen Sprachen zur Verfügung.